Wieder zurück

Manchmal ist es so. Vor drei Wochen kam die Rechnung für meinen WordPress-Account. Und ich dachte: „Hättest du auch kündigen können. Irgendwie kommst du nicht mehr dazu.“ Zwei Sekunden später: „Du könntest schreiben. Es hat dir immer gut getan.“ Ein Mensch, zwei Gedanken. Wahrscheinlich habe ich dreimillionen Gedanken am Tag, von denen zweimillionenneunhunderneunundneunzigtausendneunhundertneunundneunzig Blödsinn sind. Aber der Gedanke „Schreib wieder.“ ließ mich nicht los. Der letzte Schubs kam gestern, als ich einen sehr wertschätzenden Kommentar las… „Schreibst du noch? Ich fand deine Art mit der Krankheit umzugehen immer sehr inspirierend und auch deine Art sonst.“ Danke dafür! Das freut mich, und ja, hier bin ich wieder.

Was soll ich schreiben? Nach über einem Jahr Pause. Die Depression ist noch da. Aber es ist soviel passiert. Auch abgesehen von Corona. Corona ist ein eigenes Thema. Eine Sache für sich. Es hat sich soviel verändert, dass sich auch die Depression oder mein Umgehen mit ihr verändert hat. Wo soll ich anfangen? Vielleicht hier. Ich lebe weiterhin mit meiner Familie in unserem kleinen Häuschen mit noch kleinerem Garten am Stadtrand von Köln. Und ich fahre immer noch Rad. Sogar mehr als früher. Außerdem lese ich viel. Nicht ganz so viel, wie ich gerne würde, aber immer noch viel. Ich habe eine neue Therapie bei einer Traumatherapeutin begonnen. Die Sitzungen sind oft anstrengend. Vor allem emotional anstrengend. Aber beide – Therapie und Therapeutin – tun mir gut.

Und dann ist da noch diese andere Sache. Die Arbeit. Seit einem guten Jahr arbeite ich teilzeit. Drei Tage in der Woche. Im Januar 2020 hatte ich mich gegen über 150 Mitberwerber_innen durchgesetzt. Ich schreibe das so, weil es ein tolles Gefühl war nach etlichen Bewerbungen, bei denen nicht mal eine Rückmeldung kam, weil ich stolz auf mich war, es auch immer noch ein klein wenig bin. Es war ein Sechser im Lotto. Mit Zusatzzahl. Eine unbefristete 100% Stelle bei einer oberen Landesbehörde, die ich beliebig splitten konnte, die nicht ewig weit weg war und die mir – laut Stellenbeschreibung – konzeptionelles Arbeiten ermöglichen würde. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können. Ich stürzte mich ab März voller Elan ins Arbeitsleben, übernahm mich ab und zu, und merkte dann schnell, dass in oberen Landesbehörden nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Hierarchien sind unglaublich. Der Dienstweg ist eine Art goldenes Kalb, um das alle herum tanzen. Man sonnt sich in dem Ruhm, den die obere Landesbehörde auf einen abstrahlt. Digitalisierung ist ein Fremdwort. Es ist ein Wunder, dass wir nicht mit Faxgeräten, sondern mit Mails arbeiten. Leider lernte ich ziemlich schnell, dass Stromberg Recht hat: „Büro ist Krieg.“ Zumindest verhalten sich einige Kolleg_innen so.

Klingt das jetzt gut oder nicht so gut? Ich weiß es nicht. Mit vielen Dingen, die meine Arbeit betreffen, bin ich, vorsichtig formuliert, nicht besonders glücklich. Aber es ist eine Basis, von der auch ich mich umschauen kann. Eine sichere Basis. Das hätte ich vor zwei Jahren nicht zu träumen gewagt.

Vieles strampel ich auf dem Rad weg. Letztes Jahr im Frühersommer begann ich den Weg zur Arbeit und nach Hause, gute 32 Kilometer pro Strecke, immer über Land und am Rhein entlang, per Rennrad zurückzulegen (wir haben bei der Arbeit sehr gute ausgestattete Umleiden und Duschen). Das entspannt mich und ich lasse Vieles von dem, was ich sonst mit nach Hause tragen würde, auf dem Weg hinter mir. Und ich muss nicht in der Bahn sitzen, wenn ich das nicht möchte.

So, für den Anfang … ich bleibe dran …

Und zum guten Schluss noch mein treues Arbeitspferd bei Regenwetter. Im Moment also öfter.

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